Markus Frei will dem Verein auch weiterhin zur Seite stehen. Bild: Nico Wrzeszcz
28.10.2026 10:34
«Irgendwann war ich der Vater von...»
Markus Frei hört nach sieben Jahren als Präsident des FC Frauenfeld auf - Nachfolge nur ad interim geklärt
Er war lange als Trainer und Ausbildner aktiv, darunter als Cheftrainer beim FC St. Gallen oder Juniorentrainer bei der Nati. Im Interview blickt Markus Frei zurück auf seine Zeit als Präsident des FC Frauenfeld.
Markus Frei, Sie waren sieben Jahre Präsident des FC Frauenfeld. Was ist Ihnen aus dieser Zeit in Erinnerung geblieben?
Ich wurde im März 2019 zum Präsidenten gewählt. Ich war selbst lange als Trainer und Ausbildner im Fussball aktiv, daher weiss ich, was eine Mannschaft braucht, um erfolgreich zu sein. Bei einem Verein mit rund 600 Mitgliedern ist es schon etwas schwerer. Aber genau darin lag meine Motivation. In einer Mannschaft etwa kann man jederzeit Spieler austauschen, wenn sie nicht funktionieren. Auf Vereinsebene braucht man die Leute, die entscheidenden Positionen müssen besetzt sein. Der Fokus hierbei liegt auf Teamplayern, die zum Wohl des Vereins arbeiten. Doch es wird immer schwerer, engagierte Leute zu finden.
Was haben Sie sich nach Ihrer Wahl vorgenommen?
Unsere sportliche Zielsetzung lautete klar: Wir wollen Fussball für die Breite. In unserer 1. Mannschaft etwa spielen nur Spieler, die aus Frauenfeld und der direkten Umgebung kommen. Allgemein ging es auch darum, diese grosse Gruppe an Trainern und Funktionären zusammenzubringen. Denn die Trainer, vor allem im Juniorenbereich, machen sonst oft einfach ihr Ding, ohne gross mit dem Verein in Kontakt zu stehen. Die grosse Challenge im Bereich der Freiwilligenarbeit, was auch das Amt als Präsident ist, war, was mache ich selbst, was delegiere ich an andere.
Aktuell gibt es nur einen Präsidenten ad interim. Ist das für den Verein ein Problem?
Sowohl ja, wie auch nein. Grundsätzlich funktionieren die einzelnen Mannschaften auch ohne Präsident. Die Trainer machen ihre Trainings, die Spieler spielen. Aber es fehlt dennoch jemand, der die grundsätzliche Richtung vorgibt. Daher ist es grundsätzlich schon ein Problem. Ich vergleiche das gerne mit einer Firma. Wenn dort der Chef fehlt, gibt es auch irgendwann Probleme.
Was ist Ihr grösster Erfolg als Präsident?
Es ist uns gelungen, im Juniorenbereich den Spagat zwischen Spitzenfussball und Breitenfussball zu schaffen. Wir haben im Juniorenbereich meist mehrere Teams pro Altersstufe. In jeder Altersstufe haben wir eine Mannschaft, welche an der Spitze des Ostschweizer Fussballs mithält. Gleichzeitig ist es uns gelungen, in der Breite auch die weniger Erfolgreichen im Verein zu halten. Im Nachwuchs ist uns daher einiges gelungen. Zudem sind wir in der Organisation mittlerweile gut aufgestellt, haben unter anderem eine Geschäftsstelle eingerichtet.
Was war das Schwierigste in den vergangenen sieben Jahren?
Wir sind seit etwa vier Jahren als Quality Club ausgezeichnet. Aber gleichzeitig steigen auch die Anforderungen. Es wird heutzutage auf viel mehr Wert gelegt. So müssen Trainer im Juniorenbereich etwa ein polizeiliches Führerzeugnis vorlegen. Auch die Spielerzahl nimmt kontinuierlich zu. Was generell gut klingt, bringt uns aber viele Probleme. Spieler stehen auf Wartelisten, weil wir die Kapazität einfach nicht haben. Neu kommen auch noch Mädchen und Frauen dazu. Bei den Garderoben sind wir ohnehin schon am Anschlag. Das geht so weit, dass sich die Jüngsten in der Regel draussen umziehen müssen. Auch der finanzielle Aspekt ist nicht aus den Augen zu lassen, zusammen mit der Ligazugehörigkeit. Allein bei unserer 1. Mannschaft, nach dem Aufstieg in die 2. Liga interregional, steigen die Kosten im Bereich Staff, Schiedsrichter, etc. Die gesamte Zielsetzung muss all diese Faktoren berücksichtigen.
Was schätzen Sie am Fussball?
Aufgrund meiner eigenen Vergangenheit sehe ich einfach gerne glückliche Kinder auf dem Platz. Natürlich ist bei einem Verein wie dem FC Frauenfeld die Anonymität höher als bei einem Dorfverein. Bei uns spielen über 30 Nationalitäten und Kulturen in einem Verein. Wir leisten mit dem Fussball aber einen grossen Beitrag in Sachen Integration. Klar gibt es hier verschiedene Fälle, wie etwa Kinder, deren Eltern kein Wort Deutsch können und man nur mit den Kindern kommunizieren kann. Dennoch sind fast alle sehr bemüht, hier richtig anzukommen.
Ihr Sohn, Fabian Frei, war Profifussballer. Wie haben Sie seine Karriere mitbegleitet?
Ich war selbst im Profibereich unterwegs und war rund eineinhalb Jahre Trainer beim FC St. Gallen. Ich habe aber gemerkt, dass das nicht meine Welt war. Ich habe mich mehr auf den Juniorenbereich konzentriert. Als mein Sohn Fabian damals in die U15-Nati kam, war ich dort Trainer. Ich habe daraufhin den Verband verlassen, ich wollte nicht, dass es heissen könnte, ich würde meinen Sohn bevorzugen. In seiner Karriere habe ich ihn bei wichtigen Fragen unterstützt, ihn aber seinen eigenen Weg gehen lassen. Er musste alle diese Erfahrungen selbst machen. Früher wurde er immer angesprochen als Sohn von Markus Frei. Als er es dann als Profi geschafft hatte, haben sich die Rollen gewechselt. Ich wurde dann der Vater von Fabian Frei.
Sie waren lange im Juniorenbereich tätig, auch national. Was ist das Wichtigste, was Sie Ihren Spielern mit auf den Weg gegeben haben?
Ich habe viele Spieler erlebt, viele Talente, die am Ende den Sprung in den Profibereich nie geschafft haben. Was ich meinen Spielern immer mit auf den Weg gegeben habe war, dass sie sich als Persönlichkeit weiterentwickeln müssen. Gerade in der Nati habe ich meinen Spielern viel Verantwortung übertragen. Einen meiner ehemaligen Kapitäne, er war damals 16, habe ich eine Ansprache vor dem Spiel halten lassen. Er ist am Ende auch bei den Aktiven zu einer grossen Persönlichkeit geworden. Spieler, die in der Jugend schon mitleiten, haben in der Zukunft das Zeug, um Trainer zu werden. Für mich ging es immer darum, die Spieler dazu zu bringen, von sich aus aktiv zu werden und Verantwortung zu übernehmen.
Wer waren die prominentesten Spieler, die Sie im Juniorenbereich trainiert haben?
Ich habe in meiner Laufbahn viele Spieler trainiert. Zu den bekanntesten würde ich aber Tranquillo Barnetta und Philippe Senderos zählen. Gerade Senderos war eine Persönlichkeit auf dem Platz, hat mit etwa 18 Jahren, als frisch aufgestiegener Junior, auf dem Platz mitgeführt.
Zum Abschluss, was muss ein Präsident des FC Frauenfeld mitbringen?
Ein Präsident sollte in der Region verankert sein, am besten direkt aus Frauenfeld kommen. Zudem muss er natürlich Zeit haben, im besten Fall auch etwas von Führung verstehen. Ich habe im Laufe der sieben Jahren vieles erst noch erlernen müssen. Es braucht jemanden, der den Verein einfach zusammenhält und auch neue Ideen mitbringt.
Interview: Nico Wrzeszcz