Christoph Blocher
Im Kanton Graubünden hat sich Interessantes zugetragen. Nicht, weil die Bündner die Volksinitiative zur 10-Millionen-Schweiz abgelehnt haben. Überraschend war vielmehr der Ausgang der dortigen Wahlen am gleichen Sonntag.
Die SVP hat im 120-köpfigen Kantonsparlament auf einen Schlag 35 statt wie bisher 25 Sitze errungen und stellt mit Abstand die stärkste Fraktion. Die seit Jahren stärkste Partei – die Mitte – erzielte noch 28 Sitze. Überdies ist die SVP in den Regierungsrat zurückgekehrt.
Beides ist geradezu historisch, denn die Bündner SVP ist 2008 förmlich am Nullpunkt gestartet. Nach der Bundesratswahl von Eveline Widmer-Schlumpf (SVP), die sich den anderen Parteien als Sprengkandidatin gegen den amtierenden SVP-Bundesrat Christoph Blocher zur Verfügung gestellt hatte, verlangte die Basis der SVP Schweiz deren Ausschluss aus der Partei. Weil die Bündner Parteiführung keinen Ausschluss wollte, musste die ganze Kantonalpartei ausgeschlossen werden. Die Anhänger Widmer-Schlumpfs schlossen sich in der Folge in der neu gegründeten Bürgerlich-Demokratischen Partei (BDP) zusammen. Diese wurde dann durch die CVP übernommen, welche deswegen ihren Parteinamen in «Mitte» veränderte. Die «vereinigte» Mitte-Partei ist am 14. Juni 2026 bei den Wahlen wie bisher mit drei Regierungsratskandidaten angetreten und hat jetzt einen Sitz an die SVP verloren.
Die bei null gestartete SVP hat ihre Sitze in Regierung und Parlament jenen Kräften abgenommen, die 2007 hofften, mit der Bundesratswahl die SVP zu erledigen. Die Mitte-Partei hat nun sechs Bündner Parlamentssitze verloren, die FDP vier und die SP fünf Sitze. Auch in Glarus, wo sich 2008 ebenfalls eine BDP abgespalten hatte, gewann die SVP sechs Mandate im Kantonsparlament – auch da auf Kosten von Mitte und FDP. Das Fazit lautet: Vieles rächt sich erst später.
E gfreuti Wuche
Christoph Blocher



